galerie-4 001 engel-1Diese Geschichte bildete den "Startschuss" zu einem kleinen Buch, das sich an unsere Inneren Kinder richtet: "Von Engeln und Bengeln".

Es war einmal ein kleiner Engel mit einer großen Geige. Eigentlich war es ja auch keine Geige, sondern ein dicker Kontrabass, aber der kleine Engel zog es vor, sein Instrument eine „große Geige“ zu nennen. Der Name des Engels war Primasens. Nein, nicht Pirmasens – warum sollte denn ein Engelchen einen pfälzischen Ortsnamen haben – sondern Primasens. „Prima Sinn“, wenn man den Namensbestandteil „-sens“ auf das Englische bezieht, nämlich das Wort „sense“. Primasens also war ein begeisterter Musiker, oder auch eine begeisterte Musikerin. Das Geschlecht des kleinen Engels war schließlich nicht auszumachen, mal wirkte er wie ein kleiner Lausebengel, mal wie ein liebes, süßes Mädelchen...

An einem lauen Sommerabend nun saß Primasens auf einer kleinen, rosarot gefärbten Sonnenuntergangswolke, die seinen Kontrabass kaum tragen konnte. Er war in Lausejungenlaune und geigte, was das Zeug hielt, um ein paar vorlaute Spatzen zu vertreiben, die sich nach ganz oben bis in Wolkenhöhe gewagt hatten. Der kleine Engel spielte „Hit the road, Jack, and don't you come back no more“. Diesen alten Song eines menschlichen Jazzmusikers fand er einfach passend: „Spatzen, haut ab und kommt nie mehr  wieder!“, sang er zu der Melodie von „Hit the road“, wobei er gleichzeitig mit einem Füßchen und mit beiden Flügeln den Takt dazu wippte.

Ich weiß nicht, wie es kam, aber nach einer Weile geriet Primasens aus dem Gleichgewicht. Zuerst verlor er den richtigen Takt, dann die Balance auf seiner kleinen rosa Wolke. Sein Kontrabass kippte zur Seite; der kleine Engel versuchte sich daran festzuhalten, aber genau das wurde ihm zum Verhängnis. Die große Geige riss ihn, begleitet vom Gezeter der Spatzen, mitsamt seines Gesangs von der Wolke und in die Tiefe!

Der kleine Engel-Bengel landete recht unsanft auf einem menschlichen Schrottplatz, und zwar auf dem Dach eines alten Opels aus den Siebziger Jahren. Das Autodach war so brüchig vom Rost, dass Primasens und sein Kontrabass hindurch krachten und auf der Rückbank zu sitzen kamen. Der großen Geige war nichts passiert, außer dass sie ein paar Kratzer abbekommen hatte, aber der Flügel des kleinen Engels... Der rechte Flügel war gebrochen und tat geradezu höllisch weh! Was aber tut ein kleiner Engel, der höllische Schmerzen hat? Ja... natürlich... dasselbe wie ein verletztes kleines Menschenkind: Er brüllt und schreit um Hilfe, was das Zeug hält!

Das laute Weinen und Schreien lockte den Besitzer des Schrottplatzes herbei, der natürlich glaubte, ein menschliches Kind sei widerrechtlich in sein Eigentum eingedrungen. Er rannte dem Gebrüll nach, um es zu vertreiben und erreichte bald den rostigen Opel. Kannst du dir vorstellen, was er für ein Gesicht machte, als er auf dessen Rücksitz unseren kleinen Engel Primasens mit seinem dicken Kontrabass zu sehen bekam? Nun, er riss vor ungläubigem Staunen die Augen so weit auf, dass sie kugelrund wurden, und sein Mund öffnete sich wie ein Scheunentor...

„Mein Flügel, mein Flügel“, schluchzte Primasens, „mein rechter Flügel tut soooo weh! Bestimmt ist er gebrochen!“ Und so war es ja auch. Wie sollte der kleine Engel nun wieder zurück in den Himmel gelangen, wo er doch hin gehörte? Der Schrott-Mann kam nur langsam zur Besinnung. Ob es Engel gab, oder nicht, darüber hatte er sich noch niemals ernsthaft Gedanken gemacht. Um der Wahrheit die Ehre zu geben – es hatte ihn nie ernsthaft interessiert. Aber hier saß einer, ganz zweifellos! Diese Flügel waren nicht auf dem Rücken befestigt, mit was auch immer, sie waren ganz eindeutig angewachsen. Und dann diese große Geige... Kleine Kinder mit soooo großen Geigen gab es auf Erden eigentlich nicht, jedenfalls kannte der dicke Peter (so hieß der Schrottplatzbesitzer) keines.

Unterdessen heulte Primasens weiter, was das Zeug hielt, denn sein Flügelchen tat weiterhin wirklich höllisch weh. „Tu doch was, hilf mir doch!“, flehte er den dicken Peter an, aber der fühlte sich hilflos wie ein Bock im Gewitter. Was ein Bock im Gewitter tut, das ist uns leider nicht bekannt – wahrscheinlich gar nichts, oder er rennt sinnlos in irgendeine Richtung ins Weite. Genau das jedenfalls tat jetzt der Peter: Er rannte fort, in irgendeine Richtung, nur weg von diesem schreienden Engelskind! Dieses brüllte darum nur noch mehr, aber der Mensch, der ihm hätte helfen sollen, kam nicht wieder.

Endlich drang aber das Gebrüll des kleinen Engels mit dem beinahe unversehrten Kontrabass bis in den höchsten Himmel hinein und es hörte dieses Erzengel Michael. Höchstpersönlich kam er nachschauen, was denn da nur auf der Erde passiert sei. Und auch er staunte nicht schlecht, als er den kleinen Primasens auf der Rückbank des alten, verrosteten Opel-Autos entdeckte. „Jungchen, was machst denn du hier?“, fragte er entgeistert, und seine Augen waren fast so groß und rund wie die des dicken Peters. „Bi-bi-bin gestürzt, ha-ha-hab das Glei-gleichgewicht verloren“, schluchzte Primasens. „Wo-wo-wollte die frechen Spa-spatzen vertreiben...“ „So, so“, lachte Erzengel Michael, der sich inzwischen gefasst hatte, „und nun ist dein rechter Flügel gebrochen?“ - „Ja-ha-ha“, weinte das Engelchen und streckte dem Großen seine beiden kleinen Arme entgegen. „Bitte, bitte, lieber Erzengel Michael, hol mich hier raus!“

Das ließ sich Erzengel Michael natürlich nicht zweimal sagen. So ein kleiner Engel-Bengel gehörte schließlich in den Himmel und nicht auf einen menschlichen Schrottplatz. Er griff sich mit dem linken Arm den dicken Kontrabass und umfasste vorsichtig-vorsichtig mit dem rechten die Taille des kleinen Unglückswurms, der eigentlich ein Engel war. Vorsichtig-vorsichtig, um den gebrochenen Flügel nicht noch mehr zu beschädigen, flog er mit dem jetzt nur noch leise wimmernden Primasens in den hohen Himmel hinein und legte ihn behutsam vor die Füße von Erzengel Raphael, der bekanntlich der Heiler-Meister unter den Engeln ist. Erzengel Raphael schüttelte milde sein Haupt, als er die ganze Geschichte vernahm, die mit vielen, jetzt wieder lauten, Schluchzern herausgebracht wurde. Dann strich er mit beiden Händen ganz sachte und liebevoll über den verletzten Flügel, der nun auf der Stelle wieder heil wurde. „Jungchen“, sagte er dazu, „es ist an der Zeit, dass du aufhörst, mit den Spatzen zu streiten. Komm, spiel uns Erzengeln eine kleine Weise auf deinem Kontrabass vor, damit du wieder zu Kräften und auf neue Gedanken kommst! Denn nichts heilt so nachhaltig unsere Seelen, wie die Musik.“

Das tat nun der kleine, jetzt etwas kleinlaute, Primasens sofort und mit Vergnügen. Der gebrochene Flügel hatte ja doch durchaus sein Gutes gehabt, denn nie hätte er sich träumen lassen, das er, der kleine Bengel, seine große Geige vor den versammelten Erzengeln würde streichen dürfen...

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